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Start Ist die Geschichte passiert? Wie kann man etwas über die Geschichte wissen?
Wie kann man etwas über die Geschichte wissen?

Wie kann man etwas über die Geschichte wissen?

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Wenn wir etwas über vergangene Ereignisse wissen wollen, müssen wir uns die Spuren, die davon vorhanden sind, anschauen. Solche Spuren können Bauwerke, Gegenstände wie Vasen oder Münzen, gesellschaftliche Institutionen oder sprachliche Zeugnisse in mündlich überlieferten Geschichten, Inschriften oder Dokumenten sein.

Wenn wir es, wie zum Beispiel im Fall des Neuen Testamentes, mit antiker Literatur zu tun haben, ist für uns interessant, wer der Autor oder die Autorin war, ob Augenzeugenaussagen enthalten sind. Dabei wird es immer darum gehen, ob wir diesen Zeugen und Autoritäten vertrauen.

Warum Autoritäten vertrauen? Alle Menschen vertrauen Autoritäten. Wer mit dem Bus fahrt, vertraut der Busfahrerin, wer in ein Haus geht, der Baufirma und dem Statiker. Ohne ein gewisses Grundvertrauen können wir nichts essen, trinken, anziehen und nirgends hingehen.

Dafür gibt es Gründe. Wer z.B. zum Zahnarzt geht, lässt einen wildfremden Menschen in seinem Mund herumbohren. Oft erklären Zahnärzte auch nicht gerade viel - und wenn doch, ist nicht gesichert, dass wir es verstehen. Warum vertrauen wir dennoch? Beim Zahnarzt gibt’s einige Gründe: Andere Menschen kommen auch immer wieder. Das Vertrauen steigt auch, wenn er schnell und ruhig arbeitet und dabei nicht verzweifelt oder ratlos wirkt.

Auch für eine historische Quelle wie das Neue Testament gibt es solche guten Gründe zu vertrauen.

 

Drei Gründe, einer Quelle zu vertrauen

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Bei einem schriftlichen Dokument stellen sich drei Fragen, die darüber entscheiden, ob wir der Autorin oder dem Autor vertrauen:

  • Ist der Text gut belegt? Das heißt, wurde er durch jahrhundertelanges Stille-Post Spielen verändert, verkürzt, verlängert? Oder können wir uns sicher sein, dass wir es mit einem gut erhaltenen Text zu tun haben?
  • Ist der Autor nahe dran? Hat er seine Informationen nur vom Hören-Sagen oder werden Augenzeugenberichte wiedergegeben?
  • Passt das, was uns hier berichtet wird, mit anderen Tatsachen zusammen? Ergeben sich Widersprüche? Welche Auswirkungen können wir in aus anderen Quellen belegen?

Wenn eine Quelle gut erhalten ist und von einer Autorin geschrieben wurde, die Zugang zu Informationen aus erster Hand hatte und etwas berichtet, was auch gut zu anderen historischen Tatsachen passt und zu keinen Widersprüchen passt, dann können wir dieser Quelle Vertrauen entgegenbringen.

 

Pilatus - keine Erfindung

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Pilatus ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Angaben des Neuen Testaments mit der Archäologie übereinstimmen. Seine Existenz wurde lange Zeit „auf Grund der schlechten Quellenlage“ angezweifelt – und das trotz Angaben über ihn in den Evangelien, Paulusbriefen, bei Tacitus, Josephus und Philo! Dann fand man eine Inschrift aus den Jahren 26-37 in Cäsarea, die von Pontius Pilatus, dem Präfekten von Judäa, spricht. Obwohl nicht alle Buchstaben erhalten sind, wurde damit die Existenz des Pilatus über jeden Zweifel erhaben:

[DIS AVGVSTI]S TIBERIEVM [- PONTI]VS PILATVS [PRAEFECT]VS IVD[AEAE FECIT ET DEDICAVIT] („Pontius Pilatus, Präfekt von Judäa, erbaute und weihte das Tiberieum den seligen Göttern“)

(http://de.wikipedia.org/wiki/Pontius_Pilatus)

 



Das Christentum ist für das normative Selbstverständnis der Moderne nicht nur eine Vorläufergestalt oder ein Katalysator gewesen. Der egalitäre Universalismus, aus dem die Ideen von Freiheit und solidarischem Zusammenleben, von autonomer Lebensführung und Emanzipation, von individueller Gewissensmoral, Menschenrechten und Demokratie entsprungen sind, ist unmittelbar ein Erbe der jüdischen Gerechtigkeits- und der christlichen Liebesethik. In der Substanz unverändert, ist dieses Erbe immer wieder kritisch angeeignet und neu interpretiert worden. Dazu gibt es bis heute keine Alternative. Auch angesichts der aktuellen Herausforderungen einer postnationalen Konstellation zehren wir nach wie vor von dieser Substanz. Alles andere ist postmodernes Gerede. Jürgen Habermas, „Zeit der Übergänge“, Suhrkamp Verlag, 2001, 174f.