Begründet Glauben

Ein Netzwerk für Fragen und Antworten über den christlichen Glauben

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Start Ist Jesus gut für uns? Jesus und die Welt
Seine revolutionär gute Sicht auf die Welt

„Diese Welt ist wertvoll!“ Wozu führt das?

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Dieser Satz war ein Skandal: „Das Wort wurde Fleisch.“ (Johannesevangelium 1,14) Für die Menschen damals war das skandalös: Der göttliche Logos soll ein Körper werden?

Für Griechen und Römer ist die Materie, diese Welt, nur der Bodensatz, der Dreck, der sich im Gully sammelt. Das Echte, Wirkliche, Wesentliche war der Geist, nicht die Materie.

Für freie Männer (und nur auf die kam es an) war es eine Schande, wenn sie sich für die Lösung irgendeines geometrischen Problems einen Apparat gebastelt haben (so wird es von Plato über Endoxus und Archytas berichtet. Auch Archimedes hat sich geschämt, Apparate in der Geometrie zur Hilfe genommen zu haben).

Deswegen waren alle Arten von Handarbeit zutiefst verpönt. Cicero (De officiis 1.150) schrieb zum Beispiel: „Auch alle Handwerker betreiben ein unanständiges Gewerbe; denn eine Werkstatt kann nichts Anständiges an sich haben.“

Der christliche Glaube behauptet hingegen nicht nur, dass Gott sich völlig auf seine materielle Welt eingelassen hat, dass er tatsächlich ein richtiger Mensch wurde. Darüber hinaus ist der menschgewordene Gott auch noch ein Handwerker – ein Zimmermann und Bauingenieur.

 

„Diese Welt ist wertvoll!“ Was bedeutet das für arbeitende Menschen?

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Wenn Gott ein Handwerker ist, dann bedeutet das: Alle ethisch vertretbaren Tätigkeiten erhalten damit Wert und Würde.

Am besten hat das Martin Luther ausgedrückt, als er den Begriff „Beruf“ erfand. Menschen haben nicht nur einen Job oder irgendeine Aufgabe – wir haben eine Berufung, der Bauer genauso wie der Pfarrer.

Diese hohe Sicht auf den Wert und die Würde jeder Arbeit untergräbt unsere Kultur auch heute noch – sie bildet eine subversive Gegenvorstellung zum bloßen Job, in dem wir unsere Zeit und Kraft für Geld verkaufen, damit am Wochenende oder im Ruhestand "richtig" leben können.

 

„Diese Welt ist wertvoll!“ Was bedeutet das für die Wissenschaft?

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Der christliche Glaube ist körperfreundlich. Das Diesseits wird geadelt. Empirie wird wertvoll. Christen haben aus dem Judentum eine positive Sicht auf die Natur übernommen.

Dazu gehört auch eine charakteristische Sicht auf die Geschichte. Geschichte ist nicht nebensächlich und auch nicht absurd, sondern wichtig und bedeutungsvoll und für Neues offen.

Materie ist nicht böse oder nur eine teuflische Illusion. Die materielle Welt ist nichts, von dem wir uns reinhalten sollen oder vor der wir in ein körperloses Nirvana fliehen müssten.

Diese Welt ist Gottes gute Schöpfung die wir voller Freude erforschen sollen (Psalm 111,2).

Deswegen sehen wir im Christentum von Anfang an eine Entscheidung für die Vernunft, Ausbildung, Bücher. So entstehen Universitäten und Wissenschaft.

 

Was ist mit den Hexenverbrennungen?

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Dass Menschen durch die Luft fliegen können, das Wetter ändern oder Kühe krank machen durch bloße Worte – diese moderne Idee war für Christen völlig abstrus.

Im Capitulare Saxonicum von 797 werden Menschen die an Hexen glauben als „verblendet“ bezeichnet und die angeblichen Hexen vor dem Mord beschützt.

Agobard (769-840), der Erzbischof von Lyon, hat detailliert erklärt, warum Menschen nicht fliegen oder das Wetter verändern können.

Noch 1486 hat Georg Golser, Bischof von Brixen, Heinrich Institor, den Verfasser des „Hexenhammers“, aus Innsbruck hinausgeworfen. „Das Scheitern des Inquisitors in Innsbruck dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit ein entscheidender Ausschlag für das Verfassen des "Malleus maleficarum" (Hexenhammer; 1486) gewesen sein.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Golser)

Der sogenannte Hexenwahn ist eine Erscheinung der frühen Neuzeit. Im „Hexenwahn“ wurden maximal 200 Menschen pro Jahr in ganz Europa ermordet, die bekannten Horrorzahlen von mehreren Millionen Todesopfern stammen aus dem 18.Jahrhundert und wurden zu Propagandazwecken von den Nazis verbreitet. (http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenwahn#Hexenverfolgung_im_Mittelalter)

Wie kam es dazu? Sowohl die Naturwissenschaft als auch der Glaube an die Magie nahmen in dieser Zeit einen ungeheuren Aufschwung. In beiden Bereichen geht es darum, die Welt zu beeinflussen. Beide stehen in der Versuchung, grenzenlos zu werden. Die revolutionär gute Sicht des christlichen Glaubens auf die Welt kann diesen Allmachtsfantasien einen Riegel vorschieben.

 

„Diese Welt ist wertvoll!“ Bewahrung und Verantwortung

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Wenn auch die christliche Sicht auf die Welt zur Wissenschaft geführt hat: es wäre naiv zu behaupten, Wissenschaft sei ausschließlich gut. Sie hat auch zur Atombombe geführt und leidet manchmal an Allmachtsfantasien.

Der christliche Glaube bringt die Ressourcen um Grenzen zu ziehen. Diese Welt ist wertvoll, aber sie gehört letztlich Gott. Das heißt, wir Menschen müssen gut auf sie aufpassen und uns von ihm fragen lassen, ob wir richtig mit ihr umgehen.

„Nach mir die Sintflut“ - eine Einstellung, die nicht an morgen denkt, wird dadurch dumm. Christen sind sicher: Eines Tages werden wir vor Gott stehen und uns für unsere Taten verantworten müssen.

Der christliche Glaube zeigt uns: Nicht alles dürfen wir. Auch in dieser Hinsicht ist der christliche Glaube gut für uns.

 



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Ich greife euch an, wahrlich, aber nicht, wie es die Unsrigen oft tun, mit Waffen, sondern mit Worten, nicht mit Gewalt, sondern mit der Vernunft, nicht mit Haß, sondern mit Liebe... Petrus Venerabilis, cont. sect. 24.6-14