Begründet Glauben

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Seine revolutionär gute Sicht auf Gott

„Gott will Liebe.“ Wozu führt das?

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Wie definiert Jesus Religion?

Im Neuen Testament definiert Jesus wahre Religion als Liebe zu Gott:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!“ (Markusevangelium 12,30).

Diese revolutionäre Sicht von Gott führt zu

  • Religionsfreiheit,
  • Trennung von Kirche und Staat,
  • Widerstand gegen Arroganz und totalitäre Regime.

 

 

Wie führt Liebe zu Gott zu Religionsfreiheit?

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Liebe ist immer etwas Freiwilliges. Echte Liebe kann man nicht erzwingen. Und Gott macht das auch nicht. Jesus ruft immer auf, zu ihm zu kommen – aber er zwingt nicht (z.B. Matthäusevangelium 23,37; 28,19-20.) Jesus wollte keine Zwangsbekehrungen sondern freiwillige Nachfolger. Jesus selbst hat es so gesagt: „Ich bin nicht gekommen um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen.“ (Markusevangelium 10,45). Ein Gott, der mir dienen will? So ein Gott verzichtet auf alle Gewalt. Er zwingt niemanden, sondern wirbt leise und beständig um die Liebe der Menschen.

Das hat für jeden Menschen persönliche Konsequenzen. Wenn Jesus Recht hat, dann gibt es mit Gott keinen Kuhhandel. Keine Leistung kann den Himmel verdienen. Gott will keine Angestellten. Er will eine Freundschaft, eine Liebesbeziehung, keine Geschäftsbeziehung.

Das hat auch gesellschaftliche Konsequenzen: Wenn Gott freiwillige Liebe will, kann niemand in eine Religion hineingezwungen werden. Schon im 2. Jahrhundert sprechen Christen deswegen von einem Menschenrecht auf Religionsfreiheit:

„Jedoch es ist ein Menschenrecht und eine Sache natürlicher Freiheit für jeden, das zu verehren, was er für gut hält, und die Gottesverehrung des einen bringt dem andern weder Schaden noch Nutzen. Nicht einmal Sache der Gottesverehrung ist es, zur Gottesverehrung zu zwingen, da sie von freien Stücken unternommen werden muss und nicht aus Zwang.“ (Tertullian, Ad. Scap. 2. Ähnlich auch Laktanz.)

Das römische Reich war allerdings eine religiöse Einrichtung und in dieser Frage tödlich intolerant. Wer dem Kaiser nicht die vorgeschriebenen religiöse Opferhandlung entgegenbringen wollte, war ein Aufrührer und Feind des Staates und der Sicherheit.

Christen wurden daraufhin verfolgt – einmal mehr, einmal weniger. Das ändert sich erst durch das Toleranzedikt des Galierus (311) und die Mailänder Vereinbarung („Edikt von Mailand“, 313) zwischen Konstantin und Licinius, die allen Menschen Religionsfreiheit zugesteht: „Nachdem wir beide, Kaiser Konstantin und Kaiser Licinius, durch glückliche Fügung bei Mailand zusammenkamen, um zum Wohle aller ... zu regeln ... sowohl den Christen als auch allen Menschen freie Vollmacht zu gewähren ... ihre Religion zu wählen ... damit die himmlische Gottheit uns und allen ... gnädig und gewogen bleiben kann.“

 

Wie führt Liebe zu Gott zur Trennung von Kirche und Staat?

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Freie Religionsausübung war eine politisch zutiefst subversive Botschaft. Es gab keinen säkularen Raum, alles war von Religion durchdrungen.

Doch wenn Gott von jedem Menschen freiwillige Liebe will, dann steht jeder Mensch vor ihm gleich da. Und jeder steht auch gleich vor Gottes Maßstäben. Selbst der Kaiser ist da nichts Besonderes mehr. Im Römischen Reich war der Kaiser eine religiöse Institution. Aber Christus hat Religion und Staat klar voneinander getrennt: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Markusevangelium 12,17. Siehe auch Johannesevangelium 19,11; Apostelgeschichte 5,29)

Das endet aber nicht in rechtloser Anarchie. Der Kaiser wird säkularisiert, ohne dass ihm seine Regierungsbefugnis abgesprochen würde. Die höchste Autorität hat er aber nicht mehr. (Es gab auch griechisch-römische Wurzeln der Trennung von Religion und Staat, siehe Hans Hattenhauer, „Gebt dem Kaiser ...“ Die Herrschaft des Rechts - Grundlagen des europäischen Rechtsbegriffs, http://www.iguw.de/text.php?text=87&typ=doc)

Durch die Trennung von Gott und Kaiser, Kirche und Staat trägt der christliche Glaube in sich die Stärke und die Kraft, um absoluten Herrschern zu zeigen, dass sie das Recht nicht willkürlich setzen können.

Erst 380 wurde unter Theodosius das Christentum Staatsreligion im römischen Reich, der Kaiser konnte aber keine göttliche Autorität mehr beanspruchen. Das wird zum Beispiel am  Ausschluss des Theodosius von der Messfeier durch Bischof Ambrosius wegen dem Massaker von Thessaloniki deutlich.

 

Wie führt Liebe zu Gott zu Widerstand gegen Arroganz und totalitäre Regime?

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Jesus trennt Kirche und Staat. Das Recht kann nicht Willkür sein. Auch Herrscher müssen sich verantworten. Anhänger von Jesus kämpfen nicht mit Waffengewalt (Johannesevangelium 18,36), aber sie wissen, dass sie Gott mehr gehorchen müssen als den Menschen, wenn die Gesetze unmoralisch sind (Apostelgeschichte 5,29).

Christen können so gegen totalitäre Regime auftreten – was zum Beispiel Franz Jägerstätter und Dietrich Bonhoeffer getan haben.

Wo immer Christen lieblos, arrogant oder diktatorisch aufgetreten sind, war das Problem nicht zu viel Christlicher Glaube, sondern zu wenig.

 

Christlicher Protest gegen die Kreuzzüge

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Was ist dann mit den Kreuzzügen? Die Kreuzzüge waren eines der schlimmsten Gräuel, die jemals im Namen des Christentums begangen wurden, ein furchtbares Übel, ein bösartiges Verbrechen. Niemand kann behaupten, dass "Gott es will" (so der Slogan der Kreuzzugspropaganda), der den Gott von Jesus Christus meint.

Die Kreuzzüge kann man ohne ihre Bösartigkeit zu relativieren auch als Reaktion auf die Zerstörung eines der größten Heiligtümer des Christentums, Geschichten von Grausamkeiten gegen Pilger und den Hilferuf des Kaisers Alexios I. von Byzanz verstehen. Sie wurden schnell zu politischen und wirtschaftlichen Unternehmungen.

Auch zur Zeit der Kreuzzüge gab es Christen, die gegen diese Verbrechen waren. Einer von ihnen war Petrus Venerabilis. Als Abt von Cluny war er einer der bedeutendsten Kirchenpolitiker seiner Zeit. Er wollte mit den Muslimen reden und diskutieren, anstatt sie mit Waffengewalt zu bekämpfen.

Petrus Venerabilis wollte zuerst verstehen, und dann rational antworten: „Ich greife euch an, wahrlich, aber nicht, wie es die Unsrigen oft tun, mit Waffen, sondern mit Worten, nicht mit Gewalt, sondern mit der Vernunft, nicht mit Hass, sondern mit Liebe. . .“ (Contra Sectam Saracenorum 24.6-14)

Petrus Venerabilis wusste, dass für jemanden, der Jesus verehrt, Liebe die Triebfeder sein muss. Bei ihm ist die Revolution angekommen.

 


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Als Wissenschaftler bin ich fundamentalistischer Religion gegenüber feindlich eingestellt weil sie aktiv das wissenschaftliche Unterfangen untergräbt. Sie lehrt uns, unsere Überzeugungen nicht zu ändern, und nichts von den aufregenden Dinge zu wissen, die gewusst werden können. Sie verdirbt die Wissenschaft und verblödet. Richard Dawkins, The God Delusion, 321