Begründet Glauben

Ein Netzwerk für Fragen und Antworten über den christlichen Glauben

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Ist Jesus gut für uns? Jesus und Ausgegrenzte
Seine revolutionär gute Sicht auf Ausgegrenzte

Wo würden Sie lieber leben?

E-Mail Drucken PDF

Der christliche Glaube bringt eine revolutionär gute Sicht auf den Wert jedes Menschen. Deshalb sagte Heinrich Böll einmal:

„Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache; und mehr noch als Raum gab es für sie: Liebe, für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen.“

(Heinrich Böll, Eine Welt ohne Christus, in: Karl-Heinz Deschner (Hg.), Was halten Sie vom Christentum? 18 Antworten auf eine Umfrage, List, München 1957.)

 

Jesus und Frauen

E-Mail Drucken PDF

Wie hat die Welt vor Jesus Frauen gesehen? Telemach sagt zu seiner Mutter Penelope:

„Aber gehe nun heim, besorge deine Geschäfte,
Spindel und Webstuhl, und treib an beschiedener Arbeit
Deine Mägde zum Fleiß! Die Rede gebühret den Männern,
Und vor allem mir; denn mein ist die Herrschaft im Hause!“
(Odyssee I,356-359)

Epiktets Argument gegen Ehebruch lautet: „Was denn, sagst du, sind nicht Frauen Gemeingut? Ich stimme zu, und auch das Schweinchen ist der gemeinsame Besitz der Festgäste, aber wenn die Portionen zugeteilt wurden, ist es falsch, eines anderen Mannes Teil zu nehmen.“ (Diskurs, II.4,1-8) Daher war Ehebruch nur dann eine Straftat, wenn die Frau verheiratet war, und es war nur deshalb eine Straftat, weil die verheiratete Frau als Eigentum des Mannes gesehen wurde.

Wir verstehen, dass Medea bei Euripides klagt:

„Von allem, was auf Erden Seel und Leben hat,
Die allerärmsten Wesen sind wir Frauen doch.“

Jesus war anders. Er bejaht die volle Menschlichkeit der Frau, ihre Gottesebenbildlichkeit und ihre Teilhabe am Bund mit Gott (Matthäusevangelium 19,4; Lukasevangelium 13,16). Er lobt eine Witwe für ihren Glauben (Lukasevangelium 21,2-3) und weckt für eine andere ihren einzigen Sohn von den Toten auf (Lukasevangelium 7,11-15), womit er ziemlich sicher das Vorbild für die Versorgung von Witwen durch christliche Gemeinden wurde ( 1. Tim 3,3-4; Jak. 1,27). Er spricht öffentlich mit Frauen (Johannesevangelium 4, Matthäusevangelium 15,21-28). Er lehrt nicht nur Männer, sondern auch Frauen (Joh. 11,25-26) und nimmt sie als Jüngerinnen an (Mk. 15,41; Lk 8,1-3).

Daher resultieren der hohe Stellenwert und das Ansehen, die Frauen im frühesten Christentum genießen. Sie waren Auferstehungszeuginnen, Jüngerinnen, genossen Respekt und Status. (Philemonbrief 2; Kolosserbrief 4,15; 1. Korintherbrief 16,9; Römerbrief 16,3.1-2; Apostelgeschichte 16; Philipperbrief 4,2-3; Galaterbrief 3,28.) Sie waren zugelassen zu Taufe und Abendmahl.

Es gibt es in den christlichen Gemeinden keinen doppelten Standard für Männer und Frauen (1 Korintherbrief 7,3; Epheserbrief 5,21; 1 Petrusbrief 3,7; Hebräerbrief 13,4; Epheserbrief 5,28). Als Christin konnte sich eine Frau von ihrem Mann wegen Ehebruch scheiden lassen. Und sie heiratet nicht mit 12 und nicht, ohne selbst mitreden zu können. Polygamie, die für Frauen entwürdigend ist, wird abgeschafft. Die Möglichkeit, ein unverheiratetes Leben für den christlichen Dienst zu wählen, eröffnet Frauen einen Ausweg aus der Verfügungsgewalt des pater familias.

Nicht bei allen ist die Botschaft von Jesus über den Wert der Frauen angekommen (Clemens von Alexandrien, Tertullian, Augustinus). Das schmälert aber nicht die Anziehungskraft, die der Glaube an Jesus für Frauen im römischen Reich hat.

Frauen erleben in den christlichen Gemeinden (wo sie, im Gegensatz zu griechischen Versammlungen, öffentlich sprechen dürfen) eine bisher unbekannte Freiheit.

 

Jesus und Kinder

E-Mail Drucken PDF

Die altehrwürdigen Zwölftafelgesetze befehlen den Römern: „Ein offensichtlich verstümmeltes Kind muss umgehend getötet werden.“ Behinderte Kinder mussten getötet werden. Jedes Neugeborene konnte ausgesetzt oder getötet werden. Neugeborene Kinder wurde sogar als Ausdruck der Trauer über Nero Claudius Germanicus (15 v. Chr.- 19 n. Chr., Thronfolger und beliebter Heerführer) getötet (Sueton, Caligula, 5. Kapitel).

Kinder waren schutzlos.

Jesus war anders. Seine Einstellung zeigt sich in diesen Worten: „Da rief er ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sagte: . . . Und wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.“ (Matthäusevangelium 18,2.5-6)

Die christlichen Gemeinden haben ganz explizit die Praxis des Kindermordes abgelehnt. Die Didache (2.2), die wohl so um 100 entstanden sein dürfte erklärt beispielsweise ausdrücklich: „. . . du sollst nicht ein Kind durch Abtreibung morden, und du sollst das Neugeborene nicht töten.“

318 erklärte Konstantin Kindesmord zum Verbrechen, Kaiser Valentinian verbietet Kindermord 374 und befiehlt, alle Kinder aufzuziehen.

Der Wert der Kinder heute: 2010 titelt der „Economist“: „Der Krieg gegen die Baby-Mädchen. Geschlechtermord. Umgebracht, abgetrieben oder vernachlässigt. Mindestens 100 Millionen Mädchen sind verschwunden und ihre Zahl steigt weiter an.“

2012 berichtet die ZEIT (15.3.2012, Nr 12, 23-24) über „De[n] mörderische[n] Makel Frau“, über „Massenabtreibungen und Mädchen, die sterben müssen“: „ein Drama, das jedes Jahr Millionen von ungeborenen Mädchen im Krankenhausmüll enden lässt und eine unbekannte Zahl von Säuglingen und Kleinkindern zu Mordopfern ihrer eigenen Familien macht.“

 

Jesus und Sklaven

E-Mail Drucken PDF

Für Aristoteles sind Sklaven lebendige Werkzeuge (Aristoteles: Politik, 1253a-1254a). Zwischen Herrn und Sklave als Sklave kann es genauso wenig Freundschaft geben wie zu einem Pferd oder einer Kuh, da Herr und Sklave nichts gemein haben. (Aristoteles Nicomachische Ethik 8.11, 1161b3-5(-8))

Aber Jesus war anders. Er hat sich selbst als Diener bezeichnet und seine Schüler gelehrt, einander wie Sklaven zu dienen:

„So aber ist es nicht unter euch; sondern wer unter euch groß werden will, soll euer Diener sein; und wer von euch der Erste sein will, soll aller Sklave sein. Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“ (Markusevangelium 10, 43-45)

Die früheste christliche Überlieferung interpretiert die Menschwerdung Gottes als ein „Annehmen von Sklavengestalt“ (Philipperbrief 2,7) und erkennt die Gleichstellung aller Menschen in Bezug auf Gottes Zusagen: „Nun gibt es nicht mehr Juden oder Nichtjuden, Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen. Denn ihr seid alle einer in Jesus Christus. Und weil ihr nun zu Christus gehört, seid ihr die wahren Nachkommen Abrahams. Ihr seid seine Erben, und alle Zusagen Gottes an ihn gelten euch“ (Galaterbrief 3,28). Der erste Petrusbrief spricht – in für damalige Verhältnisse ungewöhnlicher Weise – Sklaven direkt in einer Haustafel an, sieht sie also als vollwertige Personen, die empfänglich sind für Gerechtigkeit.

Auch wenn das Neue Testament nicht zu einer direkten Rebellion gegen die Sklaverei aufgerufen hat, ist klar, dass z.B. Paulus von einem gläubigen Sklavenhalter erwartet, seinen gläubigen Sklaven freizulassen (Philemonbrief 16 und 21). Eine klare Absage an den Handel mit Menschen findet sich in 1. Timotheusbrief 1,10.

Die Abschaffung des britischen Sklavenhandels ist ein Beispiel dafür, wie eine christliche Grundhaltung zu menschenrechtlichen Verbesserungen führt. (Dieser Handel entwickelte sich entgegen einer Entscheidung des Londoner Kirchenrates 1102, die Sklavenhandel und -besitz verbot.)

William Wilberforce kämpfte aus seiner christlichen Überzeugung 46 Jahre lang gegen die Sklaverei. 1787 wurde er überredet, der Anführer einer parlamentarischen Kampagne für die Abschaffung des Sklavenhandels zu werden. 1791 wurde die erste Gesetzesvorlage 163 zu 88 abgelehnt. 1807 wurde der Sklavenhandel durch die königliche Zustimmung zum Slave Trade Act abgeschafft. Am 26. Juli 1833, drei Tage vor seinem Tod bestand die Gesetzesvorlage für die Abschaffung der Sklaverei in dritter Lesung im englischen Unterhaus. Am 29. Juli 1833 starb Wilberforce. Im August 1833 gab der Slavery Abolition Act allen Sklaven des Britischen Empires die Freiheit. Wilberforce sagte vor seinem Tod: „Thank God that I have lived to witness a day in which England is willing to give twenty million sterling for the abolition of slavery.“  - „Gott sei Dank, dass ich den Tag noch erlebe an dem England bereit ist, 20 Millionen Pfund für die Abschaffung der Sklaverei zu zahlen.“

Heute gibt es mehr Sklaven als jemals zuvor und sie sind billiger als jemals zuvor. Wieder engagieren sich Christen für ihre Rechte.

 

 

Jesus und "Barbaren"

E-Mail Drucken PDF

Vorurteile, Hass und Feindschaft prägten den Blick auf Ausländer.

Jesus war anders. Er übte seinen Dienst auch an Menschen aus, die einen anderen ethnischen Hintergrund hatten als er. (Markusevangelium 7,24-8,9; Matthäusevangelium 8,5-13.)

In den christlichen Gemeinden traten ethnische Barrieren in den Hintergrund, es war nicht mehr wesentlich, ob jemand Grieche, Jude oder Skythe war (Kol 3,11).

Bis heute bemühen Christen sich, Menschen aus anderen Ethnien das Evangelium zu bringen. Oft geht das mit Alphabetisierung und Verschriftlichung bisher ungeschriebener Sprachen einher. Dabei wird die Kultur der Sprachgemeinschaft berücksichtig. Eine christliche Organisation, die sich besonders darum verdient gemacht hat, ist Wycliff, dessen Partnerorganisation SIL maßgeblich an der sprachwissenschaftlichen Erforschung aller bisher ungeschriebenen Sprachen der Erde beteiligt ist und den Ethnologue, das linguistische Sammelwerk aller bekannten lebenden Sprachen der Erde, herausgibt.

Ein weiteres Beispiel sind die Hmar in Indien: „Dr. Rochunga Pudaite wuchs im Stamm der Hmar in Nordost-Indien auf. Als im frühen 20. Jahrhundert ein Missionar aus Wales, Watkin Roberts, den Hmar das Evangelium von Christus brachte, war Rochungas Vater, Chawnga, einer der ersten, die sich bekehrten. Chawnga stellte fest, dass Roberts nicht versuchte, die Hmar zu europäisieren, ja Roberts missionierte ausdrücklich gegen den Willen des örtlichen Vertreters der britischen Regierung. (Die christlichen Missionare waren mitnichten typischerweise ‚Agenten des westlichen Imperialismus‘; oft hatten sie die Vertreter der Kolonialmacht sogar gegen sich.) Die Hmar kamen zu Tausenden zu Christus, und ihr Leben änderte sich. ‚Sie hörten auf zu streiten, zu schlagen, zu trinken und in ständiger Angst vor bösen Geistern zu leben.‘ Über 500 von ihnen wurden selbst Missionare, die den anderen Stämmen in der Region Lebensmittel und Bibeln brachten, darunter den Stämmen früherer Feinde, deren Köpfe sie als Trophäen über die Türen ihrer Bambushütten gehängt hatten. ‚Aus Kopfjägern‘, so Pudaite, ‚wurden Herzensjäger‘. Heute leitet Pudaite die Organisation ‚Bibles for the World‘, die bis jetzt über 14 Millionen Bibeln an Menschen in aller Welt verteilt hat.“ (Kenneth D. Boa und Robert M. Bowman, Jr., Macht es Sinn, an Gott zu glauben? Argumente für die Existenz Gottes, Verlag C.M.Fliß Hamburg 2006, 1. Auflage 2007, 202-203)

 


Seite 1 von 2

Denn auf die Leute darf man nicht hören, die bestreiten, daß der unsichtbare Gott sichtbare Wunder wirke, da er doch auch nach ihrem Dafürhalten die Welt geschaffen hat, deren Sichtbarkeit niemand leugnen kann. Augustinus, Gottestaat, 527, X.12.