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Start Passt Wissenschaft zu Jesus? Welche Weltanschauung passt zur Wissenschaft?
Welche Weltanschauung passt zur Wissenschaft?

Die weltanschaulichen Wurzeln der Wissenschaft

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Woher kommt das Vertrauen der Wissenschaft? Woher kommt die Vorstellung, dass die Welt verstehbar und geordnet ist und wir in der Lage sind, sie zu erforschen? Um zu erklären, woher die Wissenschaft kommt, ist eine Auseinandersetzung mit jahrtausendealter Literatur nötig, die die Weltanschauung geformt hat, in der dann die wissenschaftliche Methode möglich wurde.

Ein guter Ausgangspunkt ist ein altorientalisches Gedicht, das in der Bibel als Psalm 19 zu finden ist. Der Literaturwissenschaftler C.S.Lewis hat dieses Gedicht zum Besten gezählt, was es in der Lyrik gibt (C. S. Lewis, Reflections on the Psalms, Harcourt, Brace and World, New York 1958, 63). Historisch gesehen kommt das Vertrauen in die Verstehbarkeit und Ordnung der Welt aus dieser Denktradition.

 

Die christliche Weltanschauung als Bedingung der modernen Naturwissenschaft

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Soziologen (z.B. Rodney Stark, The Victory of Reason. How Christianity Led to Freedom, Capitalism, and Western Success, Random House, New York, 2006), Historiker (z.B. Peter Harrison, http://publicchristianity.org/Videos/bible_and_science.html) und WissenschaftlerInnen weisen immer wieder darauf hin, dass das Christentum eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entstehung der modernen Naturwissenschaft war:

Nur der Glaube an einen rationalen Gesetzgeber in der Natur hat die frühen Wissenschaftler dazu gebracht, solche Gesetze in der Natur zu erwarten und zu suchen – und finden zu können.

 

Die Rolle der Reformation

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Eine wichtige Rolle spielte nach Peter Harrison, Wissenschaftshistoriker der Universität Oxford, die Reformation und die daraus folgende Herangehensweise an die Texte der Bibel, die sich gegen eine symbolische Bedeutung wandte. Diese Herangehensweise wurde auch auf die Natur übertragen – die Vorstellung einer rein symbolischen Ordnung wurde abgelehnt, was eine empirische, „buchstäbliche“ Erforschung ermöglichte:

„Als im 16. und 17. Jahrhundert protestantische Reformer und zu einem gewissen Maß auch humanistische Gelehrte eine wörtliche Lektüre der Bibel annäherten, brach als unbeabsichte Nebeneffekt die symbolische Weltordnung zusammen, eine symbolische Lektüre der Welt und der Zusammenbruch dieser symbolischen Leseweise der Welt machte neue mathematische Lesarten der Natur möglich.“ (Peter Harrison, http://publicchristianity.org/Videos/bible_and_science.html)

 

Atheismus als weltanschaulicher Ausgangspunkt der Wissenschaft?

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Der Atheismus liefert im Gegensatz zu einer theistischen Weltsicht keine Hoffnung auf die Verstehbarkeit und Regelmäßigkeit der Welt. Als weltanschaulicher und theoretischer Ausgangspunkt für die Entstehung der Naturwissenschaft ist er ungeeignet.

Wenn eine atheistische Weltsicht der Wirklichkeit entspricht, dann sind unsere Sinne und unser Denken höchstens nützlich, allerhöchstens angepasst, und damit auch alle unsere Überzeugungen (die ihnen entstammen). Aber wir sind weit davon entfernt, einen Grund zu finden, warum diese Überzeugungen wahr sind und unsere Sinne verlässlich.

Mit anderen Worten, auch für atheistische Theorien selbst finden wir keine zuverlässige Begründung: irgendwann könnte genausogut irgendeine andere Theorie hilfreich und nützlich sein. Atheistische Letztbegründungen sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen.

„Wenn mein eigener Verstand ein Produkt des Irrationalen ist – wenn das was mir als meine klarsten Gedanken erscheinen einfach nur die Art ist, auf die ein Wesen, das so beschaffen ist wie ich, eben fühlen muss – wie kann ich meinem Verstand trauen, wenn er mir etwas über die Evolution sagt? Letztlich wird gesagt: ‚Ich werde beweisen, dass das, was du Beweise nennst, lediglich das Ergebnis von mentalen Gewohnheiten ist, die der Vererbung entstammen, welche der Bio-Chemie entstammt, welche der Physik entstammt.‘ Aber das ist dasselbe wie zu sagen: ‚Ich werde beweisen, dass Beweise irrational sind‘ oder, auf den Punkt gebracht, ‚ich werde beiweisen, dass es keine Beweise gibt‘. C. S. Lewis, The Funeral of a great Myth, in Christian Reflections, Eerdmans, Grand Rapids, Michigan (1967 ed by Walter Hooper) 1995, 89)

Bereits Charles Darwin hegte diesen furchtbaren Zweifel: „In mir steigt stets der furchtbare Zweifel auf, ob die Überzeugungen des menschlichen Verstandes, der sich aus dem Verstand der niederen Tiere entwickelt hat, von irgendwelchem Wert oder im Geringsten vertrauenswürdig sind.“ (Brief vom 3. Juli 1881, in: Francis Darwin, The Life and Letters of Charles Darwin, Including an Autobiographical Chapter, Band 1, 315; zit. n. Lennox 2011, 56)

 

Die Entstehung der Naturwissenschaft

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Nur in Europa ist die Naturwissenschaft schließlich entstanden. „Echte Wissenschaft entstand nur einmal: in Europa. China, der Islam, Indien und das antike Griechenland und Rom hatten jeweils eine hochentwickelte Alchemie. Aber nur in Europa entwickelte sich die Alchemie zu Chemie. Gleichermaßen hatten viele Gesellschaften differenzierte Astrologien entwickelt, aber nur in Europa führte die Astrologie zur Astronomie. Warum? Wieder hat die Antwort etwas mit Gottesbildern zu tun.“ (Rodney Stark, The Victory of Reason. How Christianity Led to Freedom, Capitalism, and Western Success, Random House, New York, 2006, 14)

Die moderne Naturwissenschaft hat auf der Wissenschaft des Mittelalters aufgebaut und konnte dabei auf eine christliche Erfindung zurückgreifen: die Universität.

 


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Fundamentalisten wissen, dass sie recht haben, weil sie die Wahrheit in einem heiligen Buch gelesen haben und sie wissen im Vorhinein, dass nichts sie von ihrem Glauben abbringen kann. Die Wahrheit des heiligen Buches ist ein Axiom, nicht das Endprodukt eines rationalen Denkprozesses. Das Buch ist wahr und wenn die Beweise dagegen zu sprechen scheinen, müssen die Beweise hinausgeworfen werden, nicht das Buch. Im Gegensatz dazu glaube ich als Wissenschaftler das, was ich glaube (zum Beispiel Evolution) nicht weil ich ein heiliges Buch gelesen habe, sondern weil ich die Beweise studiert habe. Richard Dawkins, The God Delusion, 319